Goldmuseum / Ecomuseum Simplon

Vom 01.01.2017 bis zum 31.12.2017 in 3907 Gondo 


Das Goldmuseum im Stockalperturm in Gondo


Lage/Anreise

Öffentlicher Verkehr: PostKurs Brig-Simplon-Gondo-Domodossola
Mit Privatauto: Brig-Simplonpass-Simplon-Dorf- Gondo


Geöffnet::

Öffnungszeiten des Hotels Stockaplerturm

 

Das Goldmuseum in Gondo erinnert an die goldigen Zeiten im vorderen Zwischbergental. Dokumente, Werkzeuge, Skizzen, Zeichnungen und Fotos lassen die Vergangenheit von Gondo-Zwischbergen kurz aufleben. 
Man vermutet, dass schon zur Römerzeit im Zwischbergental goldhaltige Erze abgebaut wurden.
Aktenkundig werden die Goldminen jedoch erst im Jahre 1660 definitiv fassbar, als Kaspar Jodok von Stockalper dort mit dem Golderzabbau begann. Im Talgrund des Zwischbergentals sind die Goldmüly (mit Hammerwerk und Sieberei für die Erzaufbereitung), die Goldwäscherei in Bochten (Holzbottiche) und das Goldscheiden (durch Umrühren mit Quecksilber und Verdampfen, fünf Unzen Quecksilber pro Zentner goldhaltigem Sand) erwähnt. Das goldhaltige Erz wurde offenbar in freier Bergmannsarbeit gewonnen, indem die Bergleute durch «herausschlagen und ‑hämmern» mit Schlägel und Eisen Galerien erstellten. Vor den Galerien pochten sie das Erz, um es vom «blinden Gestein» zu trennen. Mit Erzschlitten schleppten sie das kostbare Erz zur Goldmühle, wo sie es beim Hüttenmeister (Erzknab) pro Zentner für eine halbe Silberkrone verkaufen konnten.
 
Bei Kaspar Stockalpers Tod im Jahre 1691 enden die Eintragungen in Rechnungsbüchern. 1728 erteilte der Walliser Landrat an Franz Christian Wegener und dann 1734 an Josef Burgener neue Konzessionen, die 1748‑1842 wieder mit Beteiligung der von Stockalpers und zuletzt nur noch durch die Stockalpers den Bergbau im Zwischbergental dokumentieren. Dabei wurden die Werke nach 1748 bedeutend erweitert. Zwischenzeitlich trat während der Epoche der französischen Besetzung und des Baus der Simplonstrasse die italienische Firma Maffiola & Pirazzi in einen Konzessionsvertrag. Maffiola lebte vorübergehend in Gondo-Zwischbergen. Er war mit Kreszentia Gerold aus Simplon Dorf verheiratet. Unter Maffiola entstanden die Galerien Maffiola und Camussetta, ein «schönes Bergherrenhaus» und zwei neue Goldmühlen. Pro Tag wurde bis zu einer Tonne Erz gefördert, und die besten Ergebnisse sollen auf diese Menge bis zu 280 Gramm Goldausbeute gebracht haben ‑ mehr als das Zehnfache anderer Minen.
 
In den 1830er Jahren traten die Franzosen J. A. Raby, Mineningenieur, Fr. Ruol, Bergwerkunter-nehmer, Fr. A. Scillière, Bankier, und Louis Biogues, Deputierter, als Bergwerkbetreiber auf. Unter ihnen entstanden die Stollen Confiance, Vinasque und Fontaine.
 
1842 erneuerten die von Stockalper die Konzession nicht mehr; sie kam nun definitiv in französische Hände. Die Abbaubewilligung erlangte J. C. Boulie de Broquens. Ab 1852 war der Italiener Baglioni Konzessionsinhaber. Neben der Erweiterung der bestehenden Vorrichtungsbauten liess der Unternehmer den nach ihm benannten Baglioni‑Stollen aussprengen.

Nach Baglioni erwarb 1875 P. L. Barthe aus Paris mit seiner Societe anonyme des Mines d'Or de Gondo mit einem Aktienkapital von zwei Millionen Franken die Konzession. 1881 ging die Konzession an Eduard Cropt, Bankier in Sitten, über. Vermutlich entstand in diesem Zusammenhang im Tanegg-Graben die Galerie Cropp. Nach dem Tode von Cropt wirkte die Goldminengesellschaft der Schweiz für einige Jahre weiter mit dem in Paris wohnhaften Briger Alcide Froment.
 
Ende 1890 wurde die Nachlassstundung eingeleitet. Am 29. Januar 1891 ging die Mine im Namen der Gläubiger des Nachlasses an den Advokaten Ducrey als Treuhänder über. Der Grubenbesitz umfasste das herrschaftliche Wohnhaus, die Hüttenwerke, die alte Giesserei, Baracken, die Wasserrechte, die Schürfrechte und umfangreiche Ländereien inklusive Alpen im Zwischbergental und bis nach Alpjen. Mit über hundert Mineuren erweiterte die neue Gesellschaft Societé des Mines d'Or d'Helvetie die bisherigen Stollen unter der Leitung von Alcide Froment, der sich vorerst «Chefingenieur» und später «Generaldirektor» nannte. Nach drei Jahren Aufschluss‑ und Abbauarbeiten fasste er die geleistete Arbeit in einem Rechenschaftsbericht zusammen:
«Die Goldminen liegen in der Nähe der bekannten Napoleonstrasse, und in wenigen Jahren wird der Simplontunnel gebaut, und dann kommt Gondo ganz in die Nähe des internationalen Schienenstranges ... Gondo nimmt den ersten Platz ein unter allen Goldminen in Europa. Einmal besitzen wir die ältesten Dokumente von dieser Mine, daraus wissen wir, dass eine grosse Anzahl Galerien hier reich an Golderzen sind, und zwar auf einer Bodenfläche von 3600 Hektaren. Nach den zweijährigen gründlichen Forschungen und nach den grosszügigen Erneuerungen aller Einrichtungen kann man jetzt einen guten Erfolg garantieren. Man muss nur den kleinen Kapitalisten in Europa zeigen, dass es jetzt nicht mehr nötig ist, nach Kalifornien oder nach dem Transvaal zu gehen, um das kostbare Metall zu suchen. In jenen Minen, wie auch in denen von Afrika, wurden oft 50 % Dividenden ausgeteilt. Das werden wir in Gondo bestimmt auch erreichen ‑ und noch mehr!»

Die Minen wurden vermessen, Wege ausgebaut und Bergarbeiterbaracken erstellt. Am 2. Mai 1892 begann die Gesellschaft mit dem Bau der neuen Fabrik, im Juli kamen die ersten vier neuen Goldmühlen in Betrieb. Über einem gewölbten Kellerraum entstand die Goldmühlenerweiterung auf 32 x 12 Meter Grundfläche für weitere 16 Mühlen. Gleichzeitig entstand die neue Luftseilbahn von 1,3 Kilo-meter Länge. Als weitere Pionierleistung erstellte die Gesellschaft am Grossen Wasser ein eigenes Elektrizitätswerk mit 300 PS Leistung aus «Stein und Zement» und Wasserkraftwerke mit einem 300 Meter langen Kanal für die Beleuchtung und den Antrieb aller Maschinen im Minenboden. Die Förderung wurde auf sechs Tonnen Erz pro Tag gesteigert, der Goldgehalt pro Tonne betrug 40 Gramm, wobei allerdings bis zur 15fachen Menge Gestein für das Aufschliessen gesprengt und gefördert werden musste. In jeder Galerie arbeiteten sechs Arbeiter, die monatlich fünf Meter vordrangen. Geplant war nach den ersten Erfolgen eine Steigerung der Förderung um das Fünffache. Das Herrenhaus wurde neu «mit einem unglaublichen Luxus», u.a. mit einem Spiegelsaal, aufgebaut. Froment feierte zur Empörung der Einheimischen und des Pfarrers «Feste der Verschwendung» mit Kapitalgebern und italienischen Tänzerinnen. Eine Gruppe von Mineuren hingegen hauste in armseligen Steinhütten auf schliefen auf Buchenlaub. Wolldecken wurden schichtweise geteilt. Verpflegung musste selbst mitgenommen werden. Die Stundenlöhne für die ungesunde und oft auch gefährliche Arbeit betrugen zwischen 1.20 Franken und 4 Franken. 
Auf dem Höhepunkt des Goldrausches von Gondo wechselte das Gesellschaftseigentum erneut. Am 6. März 1894 übernahm die Societe des Mines d'Or de Gondo alle Liegenschaften und Abbaugebiete. Der neue Präsident war Saly Silz aus Berlin. Er verewigte seinen Namen mit dem Stollen Silsaly. Zeitweise arbeiteten nun bis zu 500 Arbeiter in Gondo. Die Fahrstrasse ab Gondo und der Leopoldstollen sind Zeitzeugen.Bis zum August 1896 wurden 5191 Tonnen Golderz verarbeitet. 73 Goldvreneli und etliche Goldmedaillen sind zwischen 1893 und 1897 aus Gondogold geprägt worden. Doch sank der Goldgehalt 1896 gegenüber 1894/95 um mehr als die Hälfte auf 4,2 Gramm pro Tonne. Am 17. Mai 1897 wurde über die Gesellschaft der Konkurs verhängt. Die Grundstücke im Minenboden gingen 1925 an Michael Tscherrig, der eine Sägerei einrichtete, diejenigen vom Biel an den Landwirt Alfons Jordan. Laut Rohstoffinventar der Schweizerischen Geotechnischen Kommission von 1993 betragen die Vorräte rund 250000 Tonnen verarbeitungs-würdige Erze und schätzungsweise die gleiche Menge nicht aufgeschlossene Erzadern. Bei 500000 Tonnen Abbau ergäbe das etwa eine Tonne Gold, gerechnet auf zwei Gramm Gold pro Tonne Erz. Damit bleibt jeglicher Abbau im besonders schwierigen Gelände um Gondo und mit den schweizerischen Investitions- und Lohnverhältnissen unwirtschaftlich. 
Die Zeugen des Goldbergabbaus von Gondo bleiben somit ein Feld für archäologische Forschungen und bestenfalls fürr hobbymässigeeFreigoldsuch er. Diese haben in den 1990er Jahren aus demm Célina‑Stollen goldhaltigen Pyrit geröstet und gewaschen und dabei fünf bis fünfzig Milligramm Freigold erzeugt. Bei Goldwaschversuchen im Grossen Wasser konnten einzelne winzige Flitterchen ausgemacht werden rund eine halbe Million davon ergäben ein Gramm Gold.

Münzen und Medaillen aus Gondogold 
"Die letzte Abbauperiode in den Minen von Gondo in den Jahren 1874 bis 1896 war geprägt von zahlreichen Besitzerwechseln. P. L. Barthe aus Paris gründete 1874 die Société Anonyme Française Mines d'Or de Gondo 1881 ging die Konzession an Eduard Gropt über und an die 1891 von Alcide Froment gegründete Société des Mines d'or d'Helvétie Bereits drei Jahre später sind die Gondo Minen neu im Besitz der Société Suisse Mines d'or de Gondo, die aber bereits vier Jahre später 1897 in Konkurs geht, nachdem bereits im August 1896 der Betrieb eingestellt worden ist.
 
In den Jahren 1894 bis 1896 wurden insgesamt 33 Kilogramm Gold gewonnen, das teilweise für Münz‑ und Medaillenprägungen verwendet wurde. 1893 prägte die «Usine Genevoise de Dégrossissage d'or» eine kleinere Anzahl von Medaillen aus Gondogold. Ebenfalls 1893 gab die eidgenössische Münzverwaltung ein 20 Franken Probestück in einer Auflage von 25 Stück heraus, wie Jürg Richter und Erwin Dietrich in der Helvetischen Münzzeitung 1993, Nr. 10 bzw. 1995, Nr. 10 schreiben ‑ der Altmeister der schweizerischen Münzkunde Leodegar Coraggioni erwähnt 1896 eine Ausgabe von 50 Stück. Weitere Auflagen dieser Münze datieren ins Jahr 1895 mit 19 Stück und 1897 mit 28 Stück nach Dietrich bzw. 29 nach Richter. Letzterer beschreibt ein Stück der Auflage 1893 (Abb. 1), das 1993 in der Herbstliste Nr. 60, Hrsg. Monetarium der SKA, für Fr. 45000.‑ zum Kauf angeboten wurde: «Die Vorderseite zeigt einen Frauenkopf nach links mit Diadem und Alpenrosenkranz im Haar. Auf der Rückseite befindet sich der Schweizerschild zwischen der geteilten Wertangabe über der Jahrzahl; das Ganze ist in einem Kranz aus Eichen‑ und Lorbeerzweigen. In der Mitte des Schweizerkreuzes ist ein kleines Zeichen für die Gepräge aus Gondogold. 
Die chemische Beschaffenheit beim Gondogold 20 Frankenstück von 1893 setzt sich zusammen: 92,4% Gold, 4,7% Silber und 2,9% Kupfer (gegenüber einer Zusammensetzung der Normalprägung von 90% Gold und 10% Kupfer). Der verbleibende Anteil Silber in der Legierung bewirkt auch die etwas hellere, grünliche Farbe der Gondogoldmünzen."&nb sp;
Urspeter Schelbert in Minaria Helvetica 16b/1996, S. 92

 
 

KONTAKT:

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Ecomuseum Simplontourismus

Adresse: Simplonstrasse
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